VAIHINGEN

Sommerhit für die nächste Wintersaison

Mit seinem ersten eigenen Partysong möchte der Vaihinger Marcel Tünhof durchstarten, doch die Discos auf Mallorca sind leer

Von Michael Banholz

DJ Marci im Studio
DJ Marci im Studio

Corona macht auch freischaffenden Künstlern das Leben schwer. Der Vaihinger Marcel Tünhof alias DJ Marci saß derletzt mehrere Wochen auf einem Kreuzfahrtschiff vor Dubai fest. Anfang April hat er zudem seinen ersten Song veröffentlicht – und das ausgerechnet in einer Zeit, in der selbst auf Mallorca nicht mehr gefeiert werden kann.Vaihingen. Es sollte eigentlich eine neunwöchige Rundreise entlang der arabischen Halbinsel werden: Namhafte Destinationen wie Bahrain, Abu Dhabi oder Muskat lagen auf der Reiseroute der Aida Prime, auf der Marcel Tünhof aus Vaihingen als DJ für Stimmung sorgen sollte. Fünf Wochen nach dem Start war dann alles vorbei: Wegen der Gefahr durch das Coronavirus mussten am 17. März alle Passagiere in Dubai das Schiff verlassen, die Crew blieb an Bord und musste die nächsten Wochen in Quarantäne verbringen. Die Zeit wurde von der Besatzung dazu verwendet, um das Schiff gründlich auf Vordermann zu bringen. Marcel Tünhof brachte sein Unterhaltungstalent derweil auf andere Weise ein und machte täglich drei Stunden Radio für seine Kollegen an Bord.Es habe zwar Unsicherheit bestanden, wann und wie es weitergeht, berichtet der 38-Jährige nach seiner Rückkehr nach Vaihingen. Bedrohlich habe die Situation aber nicht gewirkt. Die Crew habe sich schließlich regelmäßigen Gesundheitschecks unterziehen müssen. Die Gefahr einer Ansteckung sei daher nach dem Auszug der Passagiere quasi geringer gewesen als irgendwo sonst. Insofern sei auch seine Familie nicht sehr beunruhigt gewesen. Außerdem habe es genug zu essen und zu trinken an Bord gegeben und die Crewmitglieder durften die nun leerstehenden Kabinen beziehen. „Ich hätte es noch eine Weile ausgehalten“, sagt Tünhof augenzwinkernd.Mit der Wiedereröffnung der Flughäfen konnte Marcel Tünhof endlich nach Deutschland zurückkehren. Eigentlich hätte er in diesen Tagen auf Mallorca sein sollen – zur Opening Party bei der legendären Diskothek „Bierkönig“, wo zuweilen auch Popsänger Oli P., Big-Brother-Teilnehmer Jürgen Milski oder „Dschungel“-Königin Melanie Müller für Stimmung sorgen. Dort wollte Tünhof als DJ Marci unter anderem einen für ihn ganz besonderen Song auflegen. Denn mit „Lass doch ’n Jodel los“ hat er am 3. April seinen ersten Song veröffentlicht. Doch auch das fällt nun wegen der Corona-Pandemie erstmal ins Wasser.„Es ist schon schade, dass der Song gerade jetzt kommt“, sagt Marcel Tünhof im Gespräch mit der VKZ. Es sei ein richtiger „Sommerhit“, zu dem nun leider aber in den Partymeilen der Mittelmeerinsel niemand abfeiern kann. Die Aufnahmen hätten im Januar in Stuttgart stattgefunden, berichtet Tünhof. Dort habe er mit seinem Kindheitsfreund, Manager und Songwriter Stefano Caporale sowie mit Produzent Sandro Gulino, ehemals Bassist der Gipsy Kings, in einem kleinen Studio an dem Titel herumgetüftelt. „Für den ersten Song bin ich ganz zufrieden.“ Da der komplette Sommer ja nun ins Wasser zu fallen droht, habe das Team aus dem Lied jetzt noch eine Après-Ski-Version gezaubert, um ihn tauglich zu machen für die kommende Wintersaison. Neben „Malle“ und den Kreuzfahrten der Aida-Gruppe sind feierlaunige Schneetouristen nämlich ein weiteres Standbein des Vaihingers. Bevor Tünhof im Februar die Aida Prime enterte, hatte er bis zum 28. Januar in Österreich aufgelegt – in Ischgl, einem Epizentrum der europaweiten Corona-Pandemie. Rückblickend ist er erleichtert, dort herausgekommen zu sein, ehe sich das Virus dort verbreiten konnte.Im Mai hätte dann als nächstes eine vierwöchige Fahrt mit der Aida Nova zwischen Barcelona und den Balearen auf dem Programm gestanden, gefolgt von einer Nordamerika-Kanada-Tour auf einem Schiff der Hapag-Lloyd-Gruppe. Alles gestrichen. Mancher DJ-Kollege bekomme als Künstler Soforthilfen. Er selbst habe noch Anspruch auf Arbeitslosengeld, sagt Tünhof, der es aber kaum erwarten kann, dass es weiter geht: „Ich sitze auf gepackten Koffern.“ In der Zwischenzeit könne er nur abwarten.Um die Zeit zu verkürzen, hat Marcel Tünhof nun eine weitere Möglichkeit aufgetan: Auf der Online-Plattform Twitch hat er ein neues Radioformat gestartet. Dreimal die Woche für jeweils zwei Stunden geht er als „Musikmatrose“ auf Sendung. Anfang der Woche war die erste Show, weitere sollen immer montags, donnerstags und samstags von 19 bis 21 Uhr folgen. Die Zuhörer erwarte eine bunt gemischte Musikauswahl und immer wieder neue Interviewpartner aus der Musikszene. Ab einer gewissen Zuhörerzahl dürfe man auf Twitch auch Werbung schalten, sagt Marcel Tünhof. Bis das richtig laufe, habe er dann halt noch etwas „Zeit für neue Songs“.Den Song „Lass doch ’n Jodel los“ gibt es als Download unter https://ffm.to/ewja6mk. Der Radioauftritt bei Twitch ist zu finden unter: https://www.twitch.tv/musikmatrosen/